Mehrfamilienhaus Horw: RaumRaster und ausgeklügeltes Lüftungskonzept sparen Kosten
Der Name Altsagenstrasse erinnert noch an die einstige Tätigkeit, die hier betrieben wurde. Hier befand sich auch ein kleiner Holzbaubetrieb von schaerholzbau. Walter Schär hat das Werkgelände in einen Ort zum Wohnen und Arbeiten transformiert. Mit der schaerraum ag hat er 2021 einen modernen Holzbau mit 13 Wohnungen und einem Gewerbegeschoss realisiert. Das «neuRaum» genannte Projekt stellte Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und die individuellen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner in den Mittelpunkt. Entstanden ist hochwertiger Wohnraum der bezahlbar ist – die Mietpreise liegen rund 20% unter dem ortsüblichen Durchschnitt.
«Ich wollte und konnte beweisen, dass bezahlbarer und hochwertiger Wohnraum in Holz kein Widerspruch in sich ist.»
Walter Schär, Bauherr und Ideengeber
Das kompakte Bauwerk ist pragmatisch gestaltet – mit Laubengängen auf der Rückseite und mit grossen Glasfenstern hin zur Aussicht auf den Vierwaldstättersee auf der Vorderseite. Aus Beton wurden nur das unterste Geschoss und der Treppenturm gebaut. Der Holzbau basiert auf dem von schaerraum entwickelten Bauprinzip RaumRaster. Er baut auf 3,5 auf 3,5 Meter grossen Einheiten auf und zieht sich durch die ganze Struktur. Zentrale Stahlaussteifungen sorgen dafür, dass alle Innenwände vom tragenden Skelett getrennt sind. Damit entstehen flexibel gestaltbaren Wohnungsgrundrisse, die sich den Bedürfnissen der Bewohner anpassen können.
Zentrales Element jeder Wohnung ist das komplett vorgefertigte Nasszellen-Modul, welches das Bad, eine Küchenzeile und die Haustechnik aufnimmt. Auch geheizt und gekühlt wird über dieses Modul – es wird auch Kachelofen 2.0 genannt. Durch schmale Schlitze quillt die Luft in den Raum und verteilt sich auf natürliche und nicht spürbare Weise in der Wohnung. Kleine Verbundlüfter in den Türen sorgen dafür, dass jeder Raum auch bei geschlossener Türe mit temperierter Luft versorgt wird.
Die Böden und Treppen aus massivem Ahorn sind gelaugt und weiss geölt. Zusammen mit der Raumhöhe von 2,70 Meter ergibt sich eine lichte und grosszügige Atmosphäre. Die Stützen und Unterzüge des Raumrasters sind in den Wohnungen sichtbar. Weiss gestrichen rahmen sie die weissen Gipswände und die weiss lasierten Holzdecken.
Die Einbauten und Möbel sind in warmen Grau- und Grüntönen gestrichen, als entspanntes Gegenbeispiel zu den hell gehaltenen Böden, Wänden und Decken. Küchen- und Garderobenelemente wurden von der Innenarchitektin Monika Steiger als verschiebbare Möbel konzipiert. Somit können die Bewohnerinnen und Bewohner die Grössen von Eingangsbereich, Küche und Wohnzimmer ihren Bedürfnissen anpassen.
«Weil im neuRaum das Denkmuster RaumRaster das Sagen hatte, ist es ein zukunftsfähiges Wohnhaus geworden: mit einem nachwachsenden und CO₂-positiven Material, mit einer schlanken Heiz- und Kühltechnik, mit Nutzungsmischung und vor allem mit günstigem Wohnraum.»
Walter Schär, Bauherr und Ideengeber
Seit Beginn 2021 ist der «RaumRaster Prototyp» neuRaum in Horw im Vollbetrieb. Aus Sicht der Bauherrschaft wurden die Erwartungen sogar übertroffen. Beim Bau wurde ausschliesslich auf die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Schweiz gesetzt.
Alle drei Jahre werden von der Dachorganisation der schweizerischen Wald- und Holzbranche die «Prix Lignum» vergeben. Das Mehrfamilienhaus neuRaum wurde 2021 vom Prix Lignum mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet.
Der renommierte, vom Bundesamt für Energie vergebene Preis Watt d’Or-2022 wurde in der Kategorie «Gebäude und Raum» an Walter Schär und die schaerraum ag für das Planungsprinzip «RaumRaster» vergeben. Das Bundesamt für Energie zeichnet seit 2006 aussergewöhnliche Leistungen im Energiesektor mit dem Watt d'Or-Preis aus. Die Preisübergabe fand am 6. Januar 2022 in Bern statt.
Dank dem rationellen Bausystem und der Koppelung von innovativen Technologien liess sich das Gebäude in vergleichsweise kurzer Zeit bauen. Der Startschuss war Mitte Mai 2020, bezugsbereit war das Mehrfamilienhaus im Januar 2021. Die Bauzeit war ein ganzes Jahr kürzer als die des Nachbarhauses aus Beton und Mauerwerk. Die kurze Zeitspanne zwischen Baubeginn und Bezug — also zwischen Investitionen und den ersten Einnahmen — macht die Bauweise sehr interessant für Investoren, Genossenschaften, Gemeinden und Städte.
Konzept, Planung, Bauleitung: schaerraum ag, Horw
Architektur: schaerraum ag, Horw
Holzbau: schaerholzbau ag, Altbüron
Foto: Doris Hüsler, Matthias Schneider
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